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Donnerstag, 22. August 2019

Mitteilungen für Rohr

< Die „KKM“ bleibt von der Sonne verwöhnt
30.06.2019 10:20 Alter: 53 Tage
Kategorie: Bürgerbrief, Mitteilungen
Von: Andrea Rauth

Zur Sache - Ihr Bürgermeister informiert


NEIN! zur Südumgehung der 380 kV- Leitung durch die Gemeinde Rohr

Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT TSO GmbH ist seit 2015 beauftragt, den im Bundesbedarfsplangesetz beschlossenen Ersatzbau der „Juraleitung“ zwischen dem Umspannwerk Raitersaich (Landkreis Fürth), Ludersheim (Landkreis Nürnberger Land), Sittling (Landkreis Kelheim) und Altheim (Landkreis Landshut) zu planen.

Die 220-kV-Leitung wird auf 380 kV aufgerüstet. Dabei soll nach Aussagen von TenneT der maximal transportierte Strom von derzeit 600 Ampere auf bis zu 4.000 Ampere hochgerüstet werden. Die Juraleitung verläuft in der Gemeinde Rohr südlich von Regelsbach über derzeit 11 Strommasten aus dem Nachbargemeindegebiet des Markt Roßtal in das Gebiet der Stadt Schwabach.

Die „alte“ Juraleitung wurde 1949 erstellt und überspannt in einer Gesamtlänge von 3,4 Kilometern das nördliche Gemeindegebiet von Rohr. Im Bundesbedarfsplangesetz ist dies ein Teil des Vorhabens Nr. 41, Maßnahme 54, P53.

Bisherige Beteiligung im Genehmigungsverfahren

Am 12. Juli 2017 wurde im Rahmen einer Bürgermeisterdienstbesprechung im Landratsamt in Roth erstmals durch die TenneT TSO GmbH über den Planungsauftrag des Ersatzbaues der Juraleitung informiert. Betroffen waren die Landkreisgemeinden Rohr und Wendelstein.

Am 18. Dezember 2017 wurden in einem Schreiben der Tennet für den Sommer 2018 Informationsveranstaltungen für Kommunen und Bürger angekündigt.

Auf persönliche Nachfrage von Bürgermeister Fröhlich am 3. Januar 2018 wurde ein erster persönlicher Termin in der Gemeinde Rohr vereinbart.

Am 20. Februar 2018 besuchten dann erstmals Mitarbeiter der TenneT die Gemeindeverwaltung in Rohr. Es wurde dargelegt, dass parallel zur bestehenden Trasse bei Regelsbach zunächst im Abstand von ca. 200 – 300 Metern eine Ersatztrasse gebaut und nach Fertigstellung die bestehende Freileitung zurückgebaut würde. Weitere Informationen sollten folgen.

Am 11. Juni 2018 wurde die Gemeinde Rohr zum ersten Planungsbegleitenden Forum nach Schwabach eingeladen. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden die Schritte des Genehmigungsverfahrens erläutert und technische Fragen erörtert.

Trassenkorridore gab es – außer den bestehenden, bekannten Freileitungen noch nicht. Der Einstieg ins Raumordnungsverfahren wurde für Januar 2019 angekündigt.

(nach jetzigem Stand erst ab April 2020 – Beurteilung des Antrages ab 2021).

Am 6. November 2018 lud auf Initiative von Bürgermeister Fröhlich, das Bürgerdialog Stromnetzwerk zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema Wohnumfeldschutz (Wirkung magnetischer Strahlung) nach Regelsbach ein.

Am 4. März 2019 gab die Gemeinde Rohr im so genannten Konsultationsverfahren eine Stellungnahme ab, die sich auf den Ersatzbau in bestehender Trasse bezog.

Am 20. Mai 2019 wurde zum 2. Verfahrensbegleitenden Forum nach Schwabach eingeladen. Hier wurde erstmals ein so genannter Initiates file downloadAlternativkorridor vorgestellt.

Dieser ist seit 22. Mai 2019 im Netz abrufbar.

Gravierende Auswirkungen auf die Biodiversitätsgemeinde Rohr

Die Bekanntgabe dieser Alternativtrasse war ein Donnerschlag.

Von dieser „Südtrasse“ ist mit einem Schlag das östliche Gemeindegebiet von Rohr durchschnitten. Die Natur- und Kulturlandschaften zwischen Weiler, Leuzdorf, Kottensdorf und Gustenfelden wären radikal betroffen. Über Defersdorf wird das Schwallbachtal, das Attastal und das Schwabachtal bis zur Nachbargemeinde Kammerstein durchkreuzt.

Die bisherige Trassenlänge im Norden würde durch die Südvariante verdoppelt werden. Statt 11 wären geschätzt bis zu 25 Donaumasten (380-kV-Masten) oder Donau-Einebene-Masten (bei Mitnahme von 110 kV-Leitungen) in einer Höhe zwischen 50 bis 70 Meter erforderlich.

Wir sind „Genussort“ und Projektgemeinde auf dem Marktplatz der Biodiversität, die Stärken unserer Flächengemeinde liegen auch in der Land- und Forstwirtschaft.

Überspannte Obstgärten und Lagen für Sonderkulturen im Schwabachtal gefährden die Existenz der Betriebe. Naherholungsräume, Belebung des Ortstourismus, ein geplanter Mühlen- und Kirchenradwanderweg im Schwabachtal würden ihren Sinn und Reiz verlieren.

Der Ball liegt ungewollt im Spielfeld der betroffenen Kommunalparlamente mit ihren Bürgerschaften

Auch unsere Nachbarn im Landkreis Roth, die Gemeinden Kammerstein, Büchenbach, Schwanstetten und Rednitzhembach sind vor nunmehr zwei Wochen von diesem Entwurf überrumpelt worden. Der Ball liegt nun ungewollt auf dem Spielfeld unserer Gemeindeflächen.

Es kann nicht angehen, dass wir nun gezwungen werden, die Trasse wie auf einem Verschiebebahnhof in die nächsten Gemeindebereiche zu verlegen um sie los zu werden und auch dort völlig neue Betroffenheit auszulösen. So schleicht sich das St. Floriansprinzip durch die Hintertür von TenneT.

Wie geht es weiter?

Am Freitag, den 7. Juni 2019, treffen sich die betroffenen Bürgermeister des Landkreises Roth für eine gemeinsame Abstimmung.

Bürgermeister Fröhlich hat TenneT aufgefordert, eine exklusive Informationsveranstaltung für alle Mandatsträger anzubieten. Die Kommunalparlamente müssen alle über den gleichen Informationsstand verfügen.

Im Juli wird in Rohr zu einer gemeinsamen Protest-Radtour entlang der Alternativtrasse eingeladen. Der Termin wird rechtzeitig öffentlich bekannt gegeben.

Im Anschluss können sich alle Unterstützer in einer gemeinsamen Koalition mit allen interessierten und betroffenen Teilnehmer*innen für weitere Aktionen zusammenschließen. Stellungnahmen von Verbänden, Institutionen, Vereinen, Bürgerinnen und Bürger können bis 31. Juli 2019 eingereicht werden.

Noch befinden wir uns im Genehmigungsverfahren erst in der Vorstufe zum Raumordnungsverfahren, das im April 2020 starten soll. An dieses schließt sich dann erst das Planfeststellungsverfahren an, das dann wieder die Möglichkeit der Öffentlichkeitsbeteiligung und der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange ermöglicht.

Reagieren Land und Bund?

Wie den Presseberichten aus dem Schwabacher Tagblatt vom 4. und 5. Juni 2019 zu entnehmen ist, könnte aufgrund der anhaltenden Widerstände und Proteste aus Mittelfranken und der Oberpfalz das Projekt P53, die Juraleitung doch noch kippen, bzw. entschärft werden.

Ob Ministerpräsident Dr. Markus Söder das Bundesbedarfsplangesetz von bayerischer Seite her noch einmal aufzuschnüren vermag bleibt abzuwarten.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat sich aktuell mit den Ländern auf einen Vorschlag zum umstrittenen Ausbau von Stromnetzen im Dreiländereck Bayern, Hessen und Thüringen geeinigt. Eine Entlastung betroffener Gebiete durch den Einsatz von Erdverkabelung wird hier in Aussicht gestellt (ZEIT-Online vom 5. Juni 2019).

Bisher hatte TenneT erklärt, dass Erdverkabelung bei Drehstrom-Höchstspannungsleitungen ausgeschlossen und im Bundesbedarfsplangesetz auch nicht vorgesehen sind. Ausreichende Erfahrungswerte bei Wechselstrom fehlen noch. Um Blindstromverluste auszugleichen, müssten alle 13,5 Kilometer Kompensationsanlagen (Kondensatoren) errichtet werden, um die Spannung und Leistung aufrechterhalten. Für den Übergang von Freileitung auf Erdverkabelung und umgekehrt, würden zusätzlich fußballfeldgroße Koppelungsstationen benötigt werden.

Ausblick:

Garantiert eine dezentrale Stromversorgung die Netzstabilität?

Jeder muss sich im Kontext dieser Problematik den Vorwurf gefallen lassen, dass die Einstellung des NIMBS („not in my backyard“ – nicht in meinem Hinterhof) eine rasche Energiewende verzögert. Erneuerbare Energien ja, aber nicht bei mir.

Auf der Homepage von TenneT ist nachzulesen, dass derzeit ein Pilotprojekt in Kooperation mit dem Bayernwerk und Consolinno läuft, wo man über viele kleinere dezentrale Versorgungseinheiten und bestehende Versorgungsnetze die Netzstabilität garantieren und ohne „Monster-Trassen*“ auskommen will. Das wäre in Bayern ohne Probleme möglich, so die Aussage. (*Der Begriff „Monstertrassen“ kommt im Übrigen aus Norwegen, wo Höchstspannungstrassen über die Fjorde hinweg gebaut wurden).

Vorstandsvorsitzender Hassler, von der N-Ergie hat diese Überzeugung bereits seit Anbeginn der „Trassenplanungsgespräche“ nach außen deutlich vertreten. Der temporäre Einsatz von Gaskraftwerken (Irsching) könnte Netzschwankungen ausgleichen. Eine dezentrale, ausreichende Versorgung ist möglich.

Im Wortlaut fast identisch lässt sich das Statement von Dr. Söder lesen.

Weitere aktuelle Informationen sind ab sofort auf der Homepage der Gemeinde Rohr abrufbar.
Eine Gesamtübersicht des Trassenverlaufs finden Sie über folgenden Link:

Opens external link in new windowhttps://gis.arcadis.nl/age_prod/juraleitung/Map

Links zu den Detailplänen von TenneT zum Alternativkorridor der „Juraleitung“: 

Opens external link in new windowhttps://www.tennet.eu/fileadmin/user_upload/Our_Grid/Onshore_Germany/juraleitung/Trassenverlauf/Karten_Mai_2019/Abschnitt_A/GESAMT_Blatt_1.pdf

Opens external link in new windowhttps://www.tennet.eu/fileadmin/user_upload/Our_Grid/Onshore_Germany/juraleitung/Trassenverlauf/Karten_Mai_2019/Abschnitt_A/GESAMT_Blatt_2.pdf