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Donnerstag, 17. August 2017

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< 13. KulinarischeKünstlerMeile - Einladung
19.06.2017 08:59 Alter: 59 Tage
Kategorie: KKM, Werbung Startseite
Von: Andrea Rauth

Auftaktabend „Wilhelm Busch aff Fränggisch und auf hochdeutsch“ bei der KKM in Rohr


Günter Stössel „klebte“ an der Bühne

ROHR (nw)- Mit „Wilhelm Busch aff fränggisch und auf hochdeutsch“ war die Auftaktveranstaltung zur 13. Kulinarischen Künstlermeile (KKM) der Gemeine Rohr überschrieben. Der Abend mit Günter Stössel und Katja Seidel im Gemeindehaus in der Rohrer Pfarrgasse dauerte jedoch länger als geplant. Die Radiomoderatorin musste ihren Bühnenkollegen nach über drei Stunden fast von der Bühne „zerren“, so tief war der virtuose Mundart-Künstler in sich und seine Erzählungen versunken.

Fränkisch ist eine schöne Sprache, insbesondere wenn man sich so intensiv wie Günter Stössel mit der Materie befasst. Der Nürnberger hat sich zu einem „Sprachwissenschaftler“ entwickelt, wie er sagte. Zuvor hat der Mundart-Künstler 20 Jahre als Bauingenieur bei einem großen Erlanger Weltkonzern gearbeitet. Seine Ingenieurskunst blitzt immer noch durch. So weist ihm seine Kollegin Anja Seidel dezent daraufhin, seinen selbst entwickelten „Bieraufschäumer“ vorzuführen, was der Günter natürlich gerne macht. Mit dem Liedla „Is des ned der allerschönste Dialekt“ gibt Stössel eine erste Kostprobe seiner musikalisch-fränkischen Begabung.

Mit der Wilhelm-Busch-Geschichte vom Dichter „Balduin Bählamm“ steigen die beiden Künstler in die „Zweisprachigkeit“ des Abends ein. Die geschulte Sprecherin Anja Seidel liest als „Wilhelmine Busch“ den hochdeutschen Originaltext und Günter Stössel trägt seine fränkische Version, die es auch in Buchform gibt, vor. Dabei bringt er gerne eigene Interpretationen in seine fränkische Übersetzung mit ein, wie Anja Seidel schmunzelnd anmerkt. Dass sich die beiden hervorragend ergänzen, spürt das Publikum an den Frotzeleien, die zwischen der Radiomoderatorin und dem urfränkischen Künstler immer wieder ausgetauscht werden. Mit dem Liedla „Er war a Glubberer“ erinnert Stössel an seinen alten Freund Max Kerner.

Zu Beginn der „zweiten Halbzeit“ zeigt Günter Stössel dann musikalisch-fränkisch auf, durch welche Orte und auf welchen Wegen die einzelnen Berufsgruppen mit dem Auto fahren sollten, damit sie möglichst schnell und ohne Stau “aff Nämberch nei kumma“. Doch das Rohrer Publikum ist findig. In Zukunft darf Stössel eine neue Variante mit einbauen. „Die Klempner fahren über Rohr“, wie Bürgermeister Felix Fröhlich feststellt.

Wilhelm Buschs Umgang mit Sprache und seine Beobachtungen sind anschaulich und etwas Besonderes. Die Figuren werden durch die Art, wie sie Anja Seidel vorliest, noch lebendiger. Das merken die Zuhörer besonders bei den textlichen Auszügen aus den verschiedenen Streichen von „Max und Moritz“. Doch auch Günter Stössel hat immer eine passende, oft herzliche, direkte oder auch freche fränkische Übersetzung zur Hand. Das sorgt für so manchen Lacher im Publikum.

Die „Schdreiche“ von Max und Moritz haben es bekanntlich in sich. Beispielsweise wie die beiden „Fregger“ ihren Lehrer Lämbl Pulver vom China-Kracher ins „Bfeifflä“ füllen oder den Steg beim Schneider Böck eine „Sollbruchschdelln“ verpassen. Mit dem Liedla „des Auto für`n TÜV herrichten“ schließt „offiziell“ die zweite Hälfte. Doch nun ist Stössel in seinem Element.

Beim Zugaben-Liedla sinniert der Nürnberger über vergangene Zeiten und taucht ein in seine Künstlerwelt. Dezente Hinweise seiner Bühnenkollegin Anja Seidel wischt er charmant zur Seite. Als Ansprache und Blicke nicht die erhoffte Wirkung entfalten, schreitet die Radiomoderatorin zur Tat und reißt Stössel nach dem Schlussapplaus fast von der Bühne. Dieser nimmt es gelassen mit einem Achselzucken hin. Es ist spät am Abend und die beiden müssen wieder „nei aff Nämberch“. Die Rohrer haben es leichter, sie sind schon zu Hause. nw

Foto: Anja Seidel und Günter Stössel präsentierten zum KKM-Auftakt in Rohr “Wilhelm Busch auf fränggisch und auf hochdeutsch“.